Was macht einen Elektrozaun wolfsabweisend?

Ein Weidezaun hält ein Tier auf zwei Arten ab: mechanisch durch Höhe und Stabilität oder elektrisch durch den Schmerz bei der Berührung. Beim wolfsabweisenden Elektrozaun zählt das Zweite. Für die Barrierewirkung spielt der funktionierende Stromkreis die wichtigste Rolle, nicht die Zaunhöhe1. Berührt der Wolf den Leiter, fließt der Strom durch seinen Körper in den Boden und über Erdungsstäbe zum Gerät zurück2. Die schmerzhafte Erfahrung soll dauerhaft abschrecken.

Wölfe nehmen den Weg, der ihnen am einfachsten erscheint. Sie nutzen Öffnungen wie Tore und Lücken, graben sich unter dem Zaun durch, springen darüber oder klettern hinüber5. Daraus leiten sich die Regeln ab. Bis auf Augenhöhe von etwa 60 Zentimetern sollte die lichte Weite 20 Zentimeter betragen, darüber sind 30 Zentimeter möglich4. Der unterste Leiter hängt 20 Zentimeter über dem Boden. Beim Sprung bringt der Strom dagegen nichts, weil das Tier keinen Bodenkontakt hat5.

Wie hoch muss der Zaun sein?

Hier gehen die Fachmeinungen auseinander. Das Bundeszentrum Weidetiere und Wolf nennt für Schafe und Ziegen eine Höhe von 90 Zentimetern und betont, dass die Höhe nachrangig ist1. Die DBBW bezeichnet 90 Zentimeter dagegen als Mindestschutz, also als Kompromiss. Empfohlen werden höhere Zäune, etwa 120 Zentimeter, und mehrere Länder fördern inzwischen nur noch Zäune ab 105 Zentimetern3. Zwischen dem, was für den Schadensausgleich reicht, und dem, was sich als Investition lohnt, liegt also ein Unterschied.

Aufbau eines Elektrozauns: Das Weidezaungerät speist Leiter auf 20, 40, 60 und 90 Zentimetern. Berührt ein Tier den Leiter, fließt der Strom durch das Tier in den Boden und über den Erdungsstab zurück zum Gerät. Weidezaun-gerät mind. 2 Joule mind. 2.000 Volt, am ganzen Zaun 90 cm60 cm40 cm20 cm Strom fließt durch dasTier in den Boden Erdungsstab: 1 Meter je Joule Test am letzten Stab: höchstens 500 Volt Holzstapel und Ballen: 2,50 m Abstand zum Zaun
Aufbau eines wolfsabweisenden Elektrozauns: Der Stromkreis schließt sich erst, wenn das Tier den Leiter berührt und auf dem Boden steht.

Die Förderung bildet das ab. In Thüringen gibt es für den Grundschutz mit 90 Zentimetern 40 Prozent und für 120 Zentimeter 100 Prozent3. In Niedersachsen beginnt die Förderung bei 105 Zentimetern10. Sachsen verlangt als Mindestschutz 90 Zentimeter und 2.000 Volt. Als zumutbaren Schutz nennt es 105 Zentimeter mit 4.000 Volt oder 90 Zentimeter mit 4.000 Volt und zwei Herdenschutzhunden9. Wer neu kauft, sollte diese Werte vorher in unserer Förderübersicht nachsehen.

Wie viel Spannung und Energie braucht der Zaun?

Ab 2.000 Volt erhalten Wölfe einen abschreckenden Stromschlag, und das Gerät sollte mindestens 2 Joule abgeben1. Das ist die Empfehlung des Bundes. Die Länder setzen teils andere Werte, die Sie für Ihre Fläche kennen sollten:

Land Spannung am Zaun Impulsenergie
Hessen11 mindestens 2.500 Volt mindestens 1 Joule
Niedersachsen3 mindestens 4.000 Volt mindestens 1 Joule
Sachsen9 Mindestschutz 2.000 Volt, zumutbarer Schutz 4.000 Volt Gerät mit mindestens 3 Joule
Sachsen-Anhalt12 mindestens 3.000 Volt, empfohlen 5.000 Volt 1,5 Joule
Schleswig-Holstein6 mindestens 3.500 Volt keine Angabe

Die Spannung allein reicht aber nicht. Als Faustregel gilt ein Meter Erdungsstab je Joule Impulsenergie. Ob die Erdung genügt, zeigt ein Test: Bei hergestelltem Kurzschluss sollte die Spannung am letzten Erdungsstab höchstens 500 Volt betragen2. Trockene Böden leiten schlecht, dann wird der Stromschlag schwach7.

Wo scheitern Zäune in der Praxis?

Meist nicht am Gerät, sondern am Alltag. Bei allen mit Zaunmonitoren überwachten Anlagen in einer niedersächsischen Studie traten Spannungsabfälle ungeklärter Ursache auf13, was für die tägliche Kontrolle spricht1. Bewuchs leitet Strom ab und schwächt den Zaun7. Mobile Netze halten durch das ständige Auf- und Abbauen höchstens etwa drei Jahre14.

Unterschätzt werden Einsprunghilfen. Holzstapel, Strohballen oder Hütten dicht am Zaun, das heißt in einem Abstand bis etwa 2,50 Meter, können dem Wolf den Sprung erleichtern1. Wölfe haben in Deutschland auch ohne solche Hilfen wiederholt Zäune von über einem Meter Höhe überwunden5. Ein vollständiger Schutz ist also nicht möglich. Aber Fälle, in denen Wölfe empfohlene Maßnahmen wiederholt überwinden, sind selten. Meist haben sie zuvor an ungeschützten Tieren gelernt3.

Auch die Tiere selbst spielen mit. Auf kleinen Koppeln brechen Schafe bei Gefahr leichter aus und werden außerhalb des Zauns zur leichten Beute3. In Brandenburg kam es 2025 in über einem Drittel der Fälle mit vorhandenem Herdenschutz zu einem Herdenausbruch3.

Wer bezahlt den Zaun?

Die Länder zahlen, aber sehr unterschiedlich. Bundesweit flossen 2025 rund 17,16 Millionen Euro in Herdenschutzmaßnahmen3. In mehreren Ländern werden förderfähige Ausgaben mit bis zu 100 Prozent gefördert, andere zahlen nur den Mehraufwand über den Grundschutz hinaus3. Wie Sie vorgehen, beschreiben wir im Beitrag zum Förderantrag.