Wer bedroht Hühner wirklich?

Wer Schafe hält, denkt beim Herdenschutz an den Wolf. Bei Hühnern liegt die Sache anders. Die Schadensstatistik der DBBW für 2025 führt Schafe, Ziegen, Rinder und Gehegewild auf, dazu 37 „andere“ Tiere: Pferde, Hunde, Alpakas, Strauße und eine Katze. Hühner kommen darin nicht vor4. Das heißt nicht, dass Wölfe niemals Geflügel reißen, das Deutsche Tierärzteblatt zählt Geflügel ausdrücklich zu den bedrohten Weidetieren6. Im Alltag sind aber andere Tiere die Hauptgegner.

Am Boden sind das vor allem Fuchs, Marder und Waschbär. Aus der Luft kommen Habicht und Mäusebussard, regional auch der Seeadler2. Die Verluste können empfindlich sein: Einzelne Halter verlieren im Auslauf bis zu 30 Prozent ihrer Tiere an Greifvögel, berichtet eine Fachfrau des Forschungsinstituts für biologischen Landbau. Auch kleinere Verluste zählen, denn wenn sich Hühner ständig bedroht fühlen, nutzen sie den Auslauf gar nicht richtig1.

Rechtlich gilt: Haltungseinrichtungen müssen die Tiere, soweit möglich, vor Beutegreifern schützen, im Auslauf reichen Möglichkeiten zum Unterstellen2. Wie viele und welche, schreibt das Tierschutzrecht nicht im Detail vor.

Was leistet der Nachtstall?

Er ist die Grundlage. Auch im Mobilstall muss sichergestellt sein, dass nachts alle Auslaufklappen verschlossen sind, und automatische Schließmechanismen haben sich dafür bewährt2. Eine Falle steckt im Kalender: Bei der Zeitumstellung müssen solche Automaten angepasst werden2. Wer die Uhr nicht nachstellt, öffnet und schließt die Klappe danach eine Stunde daneben.

Bei kleinen Mobilställen reicht der Stall selbst oft als Rückzugsort, wenn die Hennen bei Gefahr nur eine kurze Strecke zurücklegen müssen. Teilmobile Ställe, die nur alle Vierteljahre umgesetzt werden und meist mehr Tiere beherbergen, brauchen dagegen zusätzliche Schutzeinrichtungen im Auslauf2.

Wie gut schützt ein Geflügelnetz?

Als wirksamste Maßnahme gegen Raubtiere am Boden gilt eine intakte Einzäunung der Auslauffläche2. Bei Umtriebsweiden sind das meist flexible Netzzäune aus Kunststoff, bei Standweiden feste Knotengitter- oder Wildzäune. Wo die Gefahr groß ist, sollten Außenzäune zusätzlich mit stromführenden Litzen in Bodennähe gesichert werden. Feste Zäune lassen sich außerdem rund 50 Zentimeter tief eingraben, am besten die ersten 20 Zentimeter gerade und die restlichen 30 schräg2.

Schnitt durch einen Hühnerauslauf: Der Stall mit Klappe schließt nachts, außen steht ein Zaun von 1,2 bis 1,8 Metern mit stromführender Litze in Bodennähe und eingegrabenem Geflecht, oben schützen Netz, Unterstand und Sträucher vor Greifvögeln. 1 2 3 4 1 Netz, Unterstand und Sträucher gegen Greifvögel 2 Nachts schließt die Klappe, auch im Mobilstall 3 Zaun 1,2 bis 1,8 m, je nach Flugtüchtigkeit 4 Strom in Bodennähe, Festzaun rund 50 cm tief
Drei Schutzebenen für Hühner im Auslauf: oben gegen Greifvögel, außen gegen Bodenräuber, nachts der geschlossene Stall.

Die Höhe richtet sich nach Auslaufgröße und Flugtüchtigkeit. Für leichtere Tiere wie weiße Hybriden werden 1,5 bis 1,8 Meter empfohlen, für braune Hybriden 1,2 bis 1,5 Meter2. Ein Netz schützt nur, wenn es wirklich Strom führt. Hier gelten dieselben Grundsätze wie am Schafzaun: Spannung regelmäßig messen, Bewuchs fernhalten, Erdung prüfen7.

Gegen Greifvögel hilft ein Zaun nicht. Wirksam sind Bäume, Sträucher und Hecken im Auslauf, wobei Bäume auch als Ansitz dienen können. Unterstände, Tarnnetze oder alte Anhänger geben den Hennen einen Fluchtpunkt. Am sichersten, aber auch am aufwendigsten ist die Überspannung des gesamten Auslaufs mit Netzen2. Mobile Lösungen sind in Arbeit: An der Universität Kassel entstand im Projekt OptiHuhn ein eingehauster Auslauf aus Modulen von 6 mal 10 Metern, der am Mobilstall andockt. Der Bericht dazu stammt von 2023, ein marktreifes Produkt kennen wir nicht1.

Lohnen sich Herdenschutzhunde für Geflügel?

Das kommt auf den Betrieb an. Herdenschutzhunde wachsen üblicherweise mit den Tieren auf, die sie später schützen sollen, und Halter brauchen dafür Sachkunde6. In einer Herde sollten nach einer Faustregel mindestens zwei Hunde mehr arbeiten, als ihnen Wölfe im Rudel gegenüberstehen6. Das ist auf eine Schafherde zugeschnitten, und für den Hühnerauslauf am Haus ist es meist überzogen.

Für größere Legehennenbetriebe gibt es dennoch Erfahrungen mit Hunden, Alpakas und sogar Ziegen als Herdenschutztieren3. Wer das plant, sollte zuerst Stall und Zaun in Ordnung bringen und die Kosten selbst einrechnen, denn die Herdenschutz-Förderung ist auf Weidetiere wie Schafe und Ziegen ausgerichtet4.

Was gilt bei Stallpflicht?

Bei Geflügelpest ordnet die zuständige Behörde die Aufstallung an, wenn eine Risikobewertung das erfordert. Das Geflügel muss dann in geschlossene Ställe oder unter eine Schutzvorrichtung mit dichter Abdeckung und gesicherter Seitenbegrenzung5. In die Bewertung fließen die Nähe zu Wasservogel-Rastplätzen, das Vorkommen von Wildvögeln und die Geflügeldichte ein. Ausnahmen sind möglich, wenn der Kontakt zu Wildvögeln auf andere Weise weitestgehend vermieden wird5.

Praktisch bedeutet das: Der schönste Auslauf nützt nichts, wenn im Stall kein Platz für alle Tiere ist. Planen Sie die Aufstallung deshalb mit, bevor Sie den Bestand erweitern, und fragen Sie Ihr Veterinäramt nach den Regeln in Ihrem Kreis.